Hannelore Furch

 

Interregnum

Ein Hahnenschrei in der Nacht
zeigt die irrende Welt.
Auch ich steh' langsam auf
und warte auf dich,
du bist seit Jahren schon
auf Wanderschaft zu mir.

Irgendwann
kamen Menschen in dieser Zeit
irgendwo an.

Draußen riecht es nach der Zeit
zwischen Fortgang und Ankunft.
Auch der Mond weiß die Zeichen
nicht zu deuten und steht
närrisch blinzelnd zwischen
verwirrtem Baumgestrüpp.

Auch ich steh' wieder da
und warte auf dich wie letztes
und wie nächstes Jahr,
bis der grauende Tag
das Interregnum aufhebt,
ohne dessen Rätsel
gelöst zu haben.


 

Sein oder Schein?

Die Nachrichten melden:
Die Sonne verbrannte den Mais
und eine Windrose zerstörte ein Dorf.

Ich glaube das nicht!
Mir wärmt die Sonne den Leib
und der Wind streichelt mich.
Oder tun sie nur so?

Ein Journal meldet:
"Überall gehen die Pferde durch
und das Chaos herrscht."

Ich glaube das nicht!
Mein Chaos sitzt brav in der Schublade
und die Gäule draußen
kutschieren Touristen herum.
Oder tun sie nur so?

Die Polizei warnt:
"Mörder sind unterwegs
und Katzenfänger."

Ich glaube das nicht!
Meine Katze und ich, wir leben.
Oder tun wir nur so?