Hannelore Furch

 

Die Auferstehung einer Schnecke


Ich ging, den Lenz zu grüßen,
die Luft mit Klang zu süßen
zu meinem Blumenbeet.
Die Tulpe war's, die stöhnte,
sobald mein Lied ertönte:
„Für mich singst du zu spät!“

Zur frühen Blühfamilie
gehörte nicht die Linie,
sie stand im Knospenkleid
und murrte: "Ich empfänge
gern später deine Klänge,
ich bin noch nicht so weit."

Es klagte fern der Flieder:
"Der weiße ist's schon wieder,
den du besingst im Lied,
doch ich als Augenweide
verwende lila Seide,
wie jeder deutlich sieht."

In einer andern Ecke
kroch mühsam eine Schnecke,
geschrumpft durch Trockenheit,
hier half kein Liedersegen,
die Schnecke brauchte Regen,
ihr Tod war nicht mehr weit.

Ich sah beim Weitergehen
die Schneckenrettung stehen
als volles Wasserfass
und tauchte eine Kanne
hinein in diese Wanne
und goss die Schnecke nass.